Joe Fonda und seine New Yorker Band NU haben am Sonntagabend die Paketpost heimgesucht und durcheinandergewirbelt. Heißen, leicht ironischen und überzogenen Jazz spielten die Vier vor rund 50 und nach der Pause vielleicht noch vor 40 Fans. Diese Standhaften aber waren hellauf begeistert.
Joe Fonda, der kleine Mann mit dem großen Kontrabass, ist der Bandleader, er gibt die Impulse, macht die Struktur der Stücke, und er kämpft um Spannung. Selbstverständlich trifft er die Töne perfekt. Er wäre absolut routiniert. Aber das interessiert ihn nicht. Er streitet sich mit seinem Bass, quält sich und dem Instrument die höchsten Spannungen ab, zerrt dann seine Musik ins Ironische, zieht hintersinnige Grimassen wie ein Hofnarr, lässt offen, ob seine Musik nun ernst oder satirisch sein soll. Wer Augen hat, zu sehen, der zweifelt. Aber wer Ohren hat für freien Jazz, der hört es: Die Musik von Joe Fonda ist ernsthaft gut, voller Spannung mit großartiger Dynamik und (nach anfänglichen Problemen) aufs Feinste mit der ganzen Band abgestimmt.
Fonda führt "The Nu Band", und Schlagzeuger Lou Grassi arbeitet ihm kongenial zu, spielt höchst präzise und sensibel, macht aber keine Show. Roy Campell Junior lässt einen wunderbar weichen Ansatz in den höchsten Trompetentönen hören und malt farbige Melodien an die Paketpostdecke. Ein sehr sensibles, tonreines Saxophonspiel ist von Mark Whitcage zu hören. Mal dreht er zusammen mit Campbell restlos auf mit schrillen, höchsten Tonkaskaden, mal lässt er sattes tiefes Blech erschallen und dann finden sie sich wieder in ruhigen, harmonisch abgestimmten Passagen, die immer überraschende Wendungen nehmen. Ein kunstvoll wilder Jazzabend in der Paketpost.
Reprinted with permission. Copyright © 2006 NRWZonline and Volker S. Freund.
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